Die Aula war blitzblank geputzt. Über der Bühne prangte unsere neue Leinwand mit einer Projektion in unseren Schulfarben und der Aufschrift „Herzlich Willkommen am Von der Leyen-Gymnasium“. Rechts stand das selbst gebastelte Glücksrad und links das Rednerpult mit Mikrophon. Am Bühnenrand und in den Fensternischen waren die Logos der Nachhaltigkeitsziele dekoriert. Nach und nach kamen die Schülerinnen und Schüler sowie die FreiDay-Lehrkräfte in die Aula und man spürte deutlich: Es lag Spannung und Vorfreude in der Luft. Noch gut eine halbe Stunde war Zeit für eine gemeinsame Probe des „FreiDay-Songs“. Im Musikunterricht hatten die einzelnen Klassen dieses Lied, das Frau Karaoulis eigens für diese Veranstaltung getextet hatte, eingeübt. Jetzt fehlte nur noch der Feinschliff durch eine gemeinsame Probe. Dazu mussten zuerst einmal die rund 70 Kinder der Klassenstufe 6 geordnet auf der Bühne platziert werden. Das war gar nicht so einfach: die Größeren hinten, die Kleineren vorne, auf Lücke stellen, damit jeder Frau Grittners Dirigat sehen konnte...
Endlich hatte jeder seinen Platz und es konnte losgehen. Frau Gastauer hob die Hände, um den ersten Akkord am Klavier anzuschlagen, da wurde sie von Herrn Gummels Stimme gestoppt: „Hier eine Zwischeninformation: Die Ministerin kommt nicht, sie ist krank.“
In der Aula herrschte Schockstille. Habe ich mich gerade verhört, fragte sich wohl jeder? Es dauerte ein paar Sekunden, bis man den Inhalt erfasst hatte. Aber danach war sofort eins klar: Natürlich proben und singen wir jetzt. Wir haben uns nicht umsonst fast 10 Minuten lang auf der Bühne einsortiert. Wir singen eben für uns und außerdem gibt es ja noch andere Gäste. Die beiden Gäste, die gekommen sind, waren Frau Zimmermann und Frau Malter-Gnanou vom Bildungsministerium. Diesen gefiel der FreiDay-Song und das bekundeten sie auch mit lautstarkem Klatschen. Herr Gummel begrüßte die Gäste und machte deutlich, dass dies das erste Freiday-Projekt am Von der Leyen-Gymnasium gewesen sei und man nun am Ende das erste Resümee ziehen könne. Dies begann mit einem Überblick zu der Arbeit in den verschiedenen Projektgruppen. Einzelne Schülerinnen und Schüler präsentierten ihre vielfältigen, stets an den 17 Nachhaltigkeitszielen ausgerichteten Projekte. Diese reichten von Müllsammelaktionen in der Stadt Blieskastel über Bastelarbeiten im Kindergarten Webenheim, das Anstreichen eines Klassensaals, einer Sammelaktion für Brillen, Spenden für den Kältebus, die man durch den Verkauf von Kuchen erworben hat, und vieles mehr.
Frau Zimmermann war sichtlich beeindruckt vom Engagement der Schülerinnen und Schüler. Schule sei heute nicht in erster Linie Wissensvermittler, sondern Vermittler von Kompetenzen. In diesem FreiDay-Projekt habe jeder die Möglichkeit, gemeinsam mit anderen zu arbeiten, zu diskutieren, zu organisieren. Dazu gehöre auch, eine andere Meinung als die eigene akzeptieren zu können. Da dürfe auch mal ein Projekt nicht funktionieren. Auch aus Misserfolgen könne man lernen. Da das Von der Leyen-Gymnasium das erste Gymnasium sei, das dieses Projekt durchgeführt habe, könne es in Zukunft Vorbild für andere Gymnasien sein.
Frau Math bedankte sich daraufhin bei allen am FreiDay-Projekt beteiligten Lehrkräften, dass sie sich auf das Experiment eingelassen haben und den Kindern diese Entfaltungsmöglichkeiten geboten haben. Mit dem Song „Alles nur geklaut“ beschloss die Klasse 6b die Feier in der Aula. Anschließend hatten die Gäste die Möglichkeit beim Besuch der verschiedenen Projektgruppen, tiefere Einblicke in die Projektarbeit zu erhalten.
Es war eine schöne Abschlussfeier für FreiDay, denn im nächsten Schulhalbjahr wird für die Klassenstufe 6 der Unterricht in den Fächern Ethik, Religion, Bildende Kunst und Biologie wieder aufgenommen. Das FreiDay-Projekt hat sich gelohnt für die Kinder, auch mit dem Wehrmutstropfen, dass die Ministerin nicht anwesend war: Schließlich machen ja die Kinder das FreiDay-Projekt für sich selbst.
Susanne Gastauer




