Landrat Dr. Theophil Gallo zu Gast am Von der Leyen-Gymnasium

Dr. Theophil Gallo stellt sich den Fragen der Schülerinnen und Schüler

Schulleiter Christoph Kohl  begrüßt am Donnerstagmorgen in der Aula des Von der Leyen-Gymnasiums vor den versammelten Schülerinnen und Schülern der Klassenstufen 11 und 12 Dr. Theophil Gallo, den Landrat des Saarpfalz-Kreises. Im Rahmen seiner Vortragsreihe „Landrat macht Schule“ begibt sich der Landrat aufgrund seiner kommunalen Verantwortung  in die Schulen, um mit jungen Menschen in den Dialog  zu treten. Im Hinblick auf die im Mai anstehenden Europawahlen referiert Theophil Gallo zunächst über das Thema „Europa und Demokratie“. Er möchte, wie er selbst sagt, die Schülerinnen und Schüler  für diese Themen sensibilisieren, aber nicht manipulieren. 

Ausgangspunkt seines Referates ist der „Vertrag von Aachen“, den Angela Merkel und Emmanuel Macron am 22. Januar dieses Jahres unterzeichnet haben. Diese „Neuauflage“ des Élysée-Vertrages von Konrad Adenauer und Charles de Gaulle aus dem Jahr 1963  vertiefe weiterhin die deutsch-französische Zusammenarbeit und Integration. Aus ehemaligen Erbfeinden seien Freunde geworden. 

Integration und Friedenssicherung seien auch die Basis der Europäischen Union, die sich vom Ursprung her als Wertegemeinschaft verstehe. Diese Gemeinschaft erlebe derzeit eine Krise. Nicht nur dass Großbritannien die Gemeinschaft verlassen wolle, sondern auch dass Italien den vereinbarten Finanzrahmen für den Staatshaushalt nicht einhalten wolle und Polen einen Entmachtungsversuch der Verfassungsgerichtes unternommen habe, schwäche die Gemeinschaft. Auch in Deutschland sei Kritik an Europa laut geworden. Populisten wollen sich ins EU-Parlament wählen lassen, um es abzuschaffen. Propagiert werde ein „Europa der Vaterländer“, was beispielsweise Schlagbäume an Grenzübergängen und unterschiedliche Handytarife zur Folge hätte. Besonders gefährlich halte er beim Vorgehen dieser Populisten den Missbrauch von historischen Symbolen und den Versuch, Begriffen eine andere Bedeutung zu geben. Die anwesenden Schüler kennen auf seine Nachfrage hin die Symbolik der weißen Rose. Sie stehe für den Widerstand junger Menschen gegen ein diktatorisches NS-Regime. Es sei, laut Gallo,  eine Provokation und eine geschickte Strategie, wenn man bei einem Protestmarsch in Chemnitz zu einem Tötungsdelikt, an dem auch ein Migrant beteiligt war, durch dieses Symbol eine Widerstandskämpferin wie Sophie Scholl für sich vereinnahmen wolle.

Theophil Gallo richtet einen Appell mit einem Zitat, das dem saarländischen Widerstandskämpfer Willi Graf zugeschrieben wird, vor allem an die Schülerinnen und Schüler, die bei der Europawahl ihre Stimme schon abgeben dürfen: „Jeder einzelne trägt die ganze Verantwortung für das, was passiert.“

Kaum hat der Landrat seinen Vortrag abgeschlossen, zögern die Schülerinnen und Schüler nicht, ihre Fragen an ihn zu richten. Diese reichen von kommunalpolitischen Themen, wie dem Kirchheimer Hof oder dem Rubenheimer Kalksteinbruch, bis hin zu Themen, die den Landkreis als Schulträger betreffen: „Warum unternimmt der Kreis nichts gegen die undichten Fenster in unserem Schulgebäude oder wieso gibt es kein Geld für die Reparatur maroder Waschbecken?“ stürmt es auf den Landrat ein. Nicht einmal der Pausengong kann die engagierte Diskussion beenden.

Schulleiter Christoph Kohl bedankt sich schließlich im Namen aller Anwesenden beim Landrat für seinen Besuch und lädt ihn, den Vorsitzenden der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Saar, zu einem trinationalen Konzert am 22. Februar in die Schlosskirche ein.  Dort wird der Schulchor des Von der Leyen-Gymnasiums mit Schulchören aus der Ukraine und Polen ein gemeinsames Konzert für den Frieden durchführen, ganz im Sinne der gegenseitigen Kommunikation und europäischen Integration. 


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