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Polenaustausch Rzeszow und Krakau vom 2.06. - 11.06.2014

ausführlicher Bericht von Hendrik Ast, Klassenstufe 12

Die 15 Teilnehmer des diesjährigen Polenaustauschs flogen am Montag, dem 2. Juni, zu ihren Gastfamilien nach Polen und landeten gegen 12.30 Uhr in strömendem Regen am Flughafen Rzeszow. Wir fuhren mit den Gastfamilien nach Hause, wo sie uns mit der ausgezeichneten polnischen Küche eine Freude bereiteten und eine Begeisterung für polnisches Essen in uns auslösten, die noch lange anhalten sollte. Abends fand noch ein Rundgang durch die Innenstadt des wunderschönen Rzeszow statt. Dabei ermöglichte uns der Vater einer polnischen Schülerin die Besichtigung eines Gerichtssaals, in dem wir sogar die Richterroben anprobieren durften. Auch das Wetter hatte sich gebessert, und so endete dieser erste Tag des Programms in bester Laune.

Am nächsten Morgen (Dienstag) nach der offiziellen Begrüßung durch den Direktor unserer Partnerschule, dem Lyzeum Rzeszows, fand eine Besichtigung der Schule statt. Eine polnische Austauschschülerin stellte einen selbstgedrehten Film über die Zeit, die sie im vorigen Jahr an unserer Schule verbracht hatte, vor. Besonders dieser Beitrag, der unsere gemeinsamen Erinnerungen wiederaufleben ließ, brachte die deutsch-polnische Gruppe noch näher zusammen. Kein Wunder also, dass auch hier viel gelacht wurde, und der Beitrag viel Sympathie erweckte. Danach fuhren wir mit dem Bus gemeinsam in ein Freilichtmuseum, das wieder einmal auch durch die polnische Küche überzeugte: Eine regionale Spezialität namens Pierogi begeisterte uns endgültig von der polnischen Esskultur und kam überwiegend positiv an. Gegen 18 Uhr machten sich dann alle mit dem Bus auf den Weg zurück nach Rzeszow.

Der kommende Tag, Mittwoch der 4. Juni, sollte sich als eines der Highlights des gesamten Austauschprogramms erweisen: Bereits um 6 Uhr fuhr die deutsch-polnische Gruppe mit dem Bus in die Berge nach Zakopane. Ein ganz besonderer Dank gilt hier vor allem einer polnischen Gastmutter, die ihren Sohn und dessen deutschen Austauschpartner mit dem Auto nachmittags nach Zakopane fuhr, obwohl sie dafür über 300 Kilometer hin und die gleiche Strecke zurückfahren musste. Der deutsche Gastschüler hatte noch am Morgen heftigste Kopfschmerzen und war nicht in der Lage gewesen, mit dem Bus zu fahren, woraufhin seine Austauschfamilie beschloss, nachdem es ihrem Gast besser ging, sich mit dem Auto selbst auf den Weg zu machen. So etwas kann man nur als absolutes Vorbild in Sachen Gastfreundschaft anerkennen und wird dem betreffenden Schüler wohl für immer als schönste Erinnerung an seine Zeit bei einem Schüleraustausch im Gedächtnis bleiben. 

Die lange Fahrt nach Zakopane zahlte sich aus: Eine Bergwanderung zu einem Aussichtspunkt machte uns mit der polnischen Landschaft vertraut und auch das Essen schmeckte allen.

Wir übernachteten zusammen mit den polnischen Partnern in einer schönen Jugendherberge. Abends feierten wir gemeinsam den Geburtstag zweier deutschen Schülerinnen. Bei Akkordeonklängen, gespielt von einem polnischen Schüler, wurden in fröhlicher Runde polnische und deutsche Lieder gesungen und zu späterer Stunde wurde auch getanzt.

Der vierte Programmtag, der Donnerstag, bot uns eine nie zuvor gesehene und unvergessliche Aussicht: Aus 2000 Metern Höhe blickten wir vom Gipfel der Berge hinunter in den Ort Zakopane und schossen unzählige Bilder. Auch dieses Erlebnis macht die Reise in diesen Teil Polens absolut lohnenswert. Nachmittags bummelten wir durch Zakopane, Polens berühmtesten Touristenort in den Bergen der Hohen Tatra. Es herrschte eine derartige Faszination für die Schönheit der Landschaft, dass während der gesamten siebenstündigen Busfahrt nach Rzeszow eine super Stimmung herrschte.

Freitags besuchten wir eine schöne und sehr bedeutende Synagoge, in der berühmte jüdische Gelehrte gelebt und gelehrt hatten. Noch heute kommen viele Juden aus Amerika und Israel, um diese wichtige Stätte zu besuchen. Dieser Besuch war für viele von uns eine Premiere, die in Erinnerung bleibt. Im Anschluss folgte eine Führung durch das herrliche Schloss Lancut mit seinem Kutschenmuseum. Wir schlossen diesen Tag mit einer geselligen Kegelrunde in der Innenstadt Rzeszows ab und erinnerten uns erst abends, dass morgen leider schon der letzte gemeinsame Tag mit den Gastfamilien bevorstand.

 

Das Wetter hatte sich seit unserer Landung letzten Montag ins Gegenteil verkehrt. Ein strahlend blauer Himmel und eine regelrechte Hitzewelle sorgten dafür, dass der letzte Tag bei unseren Gastfamilien, der Samstag, nochmals so richtig genossen werden konnte. Einige Schüler gingen mit ihren Partnern ins Schwimmbad, andere an einen kleinen See zum Volleyball spielen oder besuchten sogar ein Freilichtfitnessstudio, an dem einige Gefallen fanden. Egal, wo man diesen Tag verbrachte, man hatte das Gefühl, sich im Urlaub zu befinden. Gegen 17 Uhr war dann Schluss mit Sommer, Sonne und Strand: In unserer Gastschule fand die Abschlussfeier statt. Hier wurden, ähnlich wie bei unserer Begrüßungsfeier, wieder tolle Beiträge präsentiert, aber ein wenig Trauer über den bevorstehenden Abschied war trotzdem zu verspüren. Unsere letzte gemeinsame Zeit an der Schule verbrachten wir damit, polnische und deutsche Volkslieder anzustimmen und genossen ein letztes Mal unser Beisammensein. Nach der Festlichkeit begaben wir uns zur multimedialen Show in Rzeszow, die eine prachtvolle Darbietung aus Wasser- und Lichteffekten für uns bereit hielt. Gegen 22 Uhr fuhren wir dann alle zu den Gastfamilien nach Hause, um unsere Koffer zu packen, was wir mit sehr gemischten Gefühlen taten.

Am Sonntag, dem 8. Juni, gegen 7 Uhr verließ die deutsche Gruppe Rzeszow. Natürlich war die Stimmung gedrückt. Der Abschied von unseren Gastgebern fiel uns allen sehr schwer. 

Doch unsere Reise führte uns weiter: in die ehemalige Königsstadt Krakau. Nach einer zweistündigen Busfahrt und einem quälenden Fußmarsch mit Gepäck durch die brütende Hitze, kamen wir gegen Mittag an unserem Hostel in Krakau an. Völlig erschöpft schleppten wir unsere schweren, mit Gastgeschenken beladenen Koffer auf die Zimmer im 2. und 3. Stock, in denen ebenfalls eine drückende Hitze herrschte. Es war nun Zeit zum Mittagessen, das wir gemeinsam in einem kleinem, gemütlichen, traditionellen Restaurant wie in Omas Küche einnahmen, neben dem riesigen Marktplatz, der übrigens keine 50 Meter von unserem Hostel entfernt lag.

Anschließend ging es bei einer Stadtrundfahrt auf Erkundungstour, wofür dieser sonnige Tag perfekt schien. Den Rest des Tages hatten wir zur freien Verfügung, was selbstverständlich auf große Begeisterung auf Seiten der Schüler stieß, was wir dann auch ausnutzten, um auch mal unser eigenes Programm zu gestalten.

Der nächste Tag, der Montag, war ein besonderer, der das mit Abstand unschönste Ereignis in unserer Zeit in Polen bereithielt. Früh morgens starteten wir mit dem Bus Richtung Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Das Wetter war immer noch traumhaft, aber das würde heute keine Rolle spielen. Zu unserer Besichtigung von Auschwitz kann ich eigentlich nur eines sagen: Dieser Ort und vor allem das höchst unangenehme Gefühl, das man hier verspürt, lässt sich nicht in Worte fassen. Es ist ein äußerst unschönes Erlebnis, das mir persönlich als unangenehm im Gedächtnis bleiben wird. Wenn man die Gelegenheit hat, dorthin zu gehen und wenn man sich selbst besser über den Holocaust informieren möchte, dann sollte man Auschwitz einen Besuch abstatten. Dabei gewinnt man Erkenntnisse und Erfahrungen, die jeder selbst für sich machen sollte, und die einem die Wahrheit über viele Dinge am allerbesten aufzeigen.

Auf dem Rückweg nach Krakau waren alle sehr nachdenklich.

Abends aßen wir zusammen in einem jüdischen Lokal in Kazimierz, dem Judenviertel Krakaus. Die Klezmer-Musik, die uns hier umgab, stieß auf unterschiedliche Meinungen, war aber zumindest für uns alle ein Novum.

Unser letzter Tag in Polen, Dienstag, der 10. Juni, bleibt vielen von uns als wunderschön in Erinnerung. Noch einmal besichtigten wir die einstige Königsstadt Krakau. Wir besuchten das Schloss, die mittelalterliche Universität und auch die berühmte Kathedrale.

Später besuchten wir ein Chopin-Konzert, das vor allem Frau Krütten in Begeisterungsstürme ausbrechen ließ. Den Rest des Abends verbrachten wir in Kleingruppen mit unseren Freunden und genossen ein allerletztes Mal das schöne Krakau mit seinem atemberaubenden Marktplatz und somit auch ein allerletztes Mal unsere großartige Zeit hier in Polen.

Mittwoch, der 11. Juni, war gekommen. Es war nun Zeit für die Abreise von diesem großartigen Land und dieser großartigen Zeit den Rücken zu kehren. Wir alle taten dies voller Dankbarkeit und Freude darüber, ein Teil dieses bemerkenswerten Projektes gewesen zu sein. Nach all der Zeit waren wir zu einer Gruppe zusammengewachsen, die eine tolle Zeit und tolle Erfahrungen vereint. 

Und so endete diese schöne Zeit, die wir alle nie vergessen werden.

Hendrik Ast

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